Gemeinsam feiern in drei Gängen
Meine Kollegin hat mir erzählt, dass sie und ihre Familie Weihnachten gemeinsam mit ihrer Schwester und ihren Eltern feiern. Soweit erst einmal nichts Außergewöhnliches. Was ich daran jedoch so toll fand: Sie wechseln bei jedem Gang das Haus, nehmen ihre Getränke für den Weg mit und laufen fröhlich durch die Nachbarschaft.
So ist jede:r einmal Gastgeber:in und gleichzeitig Gast in einem anderen Zuhause. Niemand ist allein verantwortlich für das gesamte Menü, den kompletten Einkauf, das Geschirr, die Ordnung oder die Unterhaltung über den ganzen Abend hinweg – alles wird aufgeteilt.
Für die Stimmung ist natürlich jede:r am Tisch selbst verantwortlich, aber zugegebenermaßen möchte ich als Gastgeberin auch immer, dass sich alle wohlfühlen – auch wenn das manchmal gar nicht in meiner Hand liegt. Auf diese Weise könnte ich mich ganz auf den Gang konzentrieren, der bei uns stattfindet. Hier können wir die Dramaturgie bestimmen – und dann hoffentlich entspannt und fröhlich zum nächsten Tisch weiterziehen.
Das Aufräumen erledigt man einfach danach und kann sich ganz den schönen Begegnungen widmen – ohne Stress und ohne Unruhe. Und durch den Spaziergang entsteht zwischen den einzelnen Gängen eine wunderbare Pause, die Raum lässt für kleine Überraschungen auf dem Weg von einer Tür zur nächsten.
Was für ein Segen, dass sie in der Nachbarschaft wohnen und Weihnachten auf diese Weise gemeinsam verbringen können. Die Idee lässt sich übrigens auch wunderbar auf ein Abendessen mit Freund:innen in der Nachbarschaft übertragen.
Am Samstag plane ich einen Abend bei uns. Was als lustige Idee auf der Geburtstagsparty meiner Freundin begann – mit zwei Familien aus der Nachbarschaft, die ich gar nicht so gut kenne (ups) – ist inzwischen zu einem Treffen mit 14 Erwachsenen und fast genauso vielen Kindern geworden. Mal sehen, wie das wird.
Meine Kinder nennen es schon „Party“, dabei sollte es eigentlich ein gemütlicher Abend werden – ganz ohne Kinder. Jetzt ist es so groß geworden, irgendwie aufregend-schön, und ein bisschen gestresst bin ich bei dem Gedanken natürlich auch.
Wäre mir das Konzept meiner Kollegin rechtzeitig wieder eingefallen, hätte ich das als großartige Alternative gesehen. Glücklicherweise brauchen wir aber ohnehin nie einen konkreten Anlass, um in großen Runden zusammenzukommen.