Voyage, voyage - Los Angeles und ein Sommer, der bleibt
Mein absolutes Highlight im Jahr 2025 war Los Angeles. Und zwar nicht nur reisetechnisch.
Fünf Wochen USA haben fast meinen gesamten Jahresurlaub verschlungen – und das auf die schönste Art und Weise. Mein Mann war dort für eine dreimonatige Residenz, und wir durften in Pacific Palisades in dem Haus wohnen, in dem er gearbeitet hat.
Ein Ort, der sich sofort besonders anfühlte: klar, ruhig, gepflegt, lichtdurchflutet. Kolibris vor der Tür, die in der Sonne schimmern. Obst und Gemüse im Garten, das man einfach pflücken kann. Der Blick über die Stadt. Und ein Interior, das zurückhaltend und gleichzeitig voller Ausdruck war – mit Kunst, die den Raum trägt, ohne laut zu sein.
Wir wussten jeden Tag, wie besonders es ist, genau dort diesen Sommer zu verbringen.
Orte, die bleiben
Das Thomas Mann House
Ein Ort, der weit über Architektur hinausgeht. Der Garten, das Licht, die Räume – alles wirkt still und gleichzeitig lebendig. Was diesen Ort aber wirklich besonders gemacht hat, waren die Menschen.
So viel Wärme, so viel Offenheit. Gespräche, die bleiben. Kleine Rituale: die erste selbst gepflückte Passionsfrucht, der tägliche Gang zum Tomatenstrauch, die zarten Ernten aus den Beeten. Es war alles da – und nichts davon aufdringlich.
Das Getty Center
Einer dieser Orte, die sich kaum in Worte fassen lassen. Weite, Ruhe, Perspektiven – und Kunst, die Raum bekommt. Für mich war es mehr als ein Museumsbesuch. Eher ein Zustand.
Ich merke, wie dieser Ort eigentlich einen eigenen Text verdient.
Die Venice Canals
Meine größte Überraschung.
Mitten in Venice, abseits der bekannten Straßen, öffnen sich kleine Kanäle, gesäumt von individuellen Häusern, üppigen Gärten und schmalen Wegen. Es ist leise dort. Fast entschleunigt.
Nach den großen, abgeschirmten Anwesen entlang der Boulevards fühlt sich dieser Ort plötzlich nah an. Durchlässig. Persönlich.
Keine Autos, kein Konsum – nur Wasser, Licht, Enten, Schwäne, Reiher.
Und dann diese Begegnung: eine Frau, die vor ihrem Haus Enten füttert, uns anspricht, fragt, ob wir zu Besuch sind, und uns ein paar Sätze aus ihrem Leben schenkt.
So unspektakulär – und genau deshalb so besonders.
Essen, das mehr ist als Essen
Gjelina, Abbot Kinney
Wir sind zufällig vorbeigelaufen. Kein Tisch, keine Chance – also haben wir draußen gesessen, etwas getrunken und das Treiben beobachtet.
Und genau da begann es schon.
Gespräche mit Fremden. Warten, das sich nicht wie Warten anfühlt. Eine Stimmung, die trägt.
Beim nächsten Mal haben wir reserviert.
Unsere Kinder sind, zum Glück, neugierig beim Essen – besonders auf Reisen. Also haben wir uns durch die Gemüsegerichte probiert, saisonal, intensiv, überraschend. Danach Pizza. Meine: weiß, mit Zucchiniblüten, Ricotta und Pinienkernen.
So einfach. So gut.
Und dann diese Schokoladen-Pistazien-Tarte.
Was bleibt, ist nicht nur das Essen. Es ist das Gefühl: willkommen zu sein. Auch mit Kindern. Kein angestrengtes „Familienfreundlich“, sondern ein echtes Mitfließen im Raum.
Lebendig, aber nicht laut. Besonders, ohne sich wichtig zu machen.
Was noch kommt
Ein paar Häuser weiter: die Felix Trattoria von Evan Funke. Dieses Mal verpasst, beim nächsten Mal ganz oben auf der Liste.
Und auch Funke selbst – handgemachte Pasta, Geschichten, Handwerk, eine Hommage an die Frauen, die ihn geprägt haben. Es gibt Orte, die schon vor dem Besuch nach einem Gefühl klingen.
Kunst, Kinder und ein anderes Tempo in New York
Ein Tag im MoMA, gemeinsam mit meiner Cousine und meinen Kindern,
Rauf und runter, durch alle Räume – in einem Tempo, das nicht meins war, aber genau richtig.
Meine Cousine hat meine Tochter zum ersten Mal gesehen. Und sie direkt durch die Hilma-af-Klint-Ausstellung getragen, damit sie mit ihrer kleinen Lupe die Bilder erkunden kann.
Keine gemeinsame Sprache – und trotzdem eine Verbindung.
Meine Cousine spricht Englisch, ich mit ihr meist Türkisch, meine Kinder keines von beidem. Und trotzdem: Gesten, Lachen, kleine Hinweise. Es reicht.
Mein Sohn, müde vom Laufen, lehnt sich im Raum mit Monets Seerosen an sie.
Natürlich wäre es ein anderer Museumsbesuch ohne Kinder gewesen. Ruhiger vielleicht. Konzentrierter.
Aber ich liebe genau dieses gemeinsame Entdecken. Dieses andere Tempo. Dieses Dazwischen.
Ein Abend, der bleibt
Brooklyn, am Abend davor, auf der Suche nach einem Restaurant.
Unser Sohn bleibt stehen, schaut sich ein Restaurant an und sagt: „Hier.“
„Birds of a Feather.“
Wir gehen rein – früh genug, um noch einen Tisch zu bekommen. Bestellen vieles, teilen alles.
Frittierte Auberginen-Akkordeons. Scallion Pancakes. Dan-Dan-Noodles.
Ich liebe es sehr, dass unsere Kinder kulinarisch so neugierig sind, besonders auf Reisen. Sie entdecken ihre Leidenschaft für Tofu und Auberginen neu – allerdings, wie so oft, nur außerhalb unserer eigenen Küche.
Es ist laut, lebendig, voller Bewegung. Und gleichzeitig genau der richtige Moment.
So ein Abend, der nichts Großes will – und genau deshalb bleibt.
Was bleibt
Los Angeles war für mich mehr als eine Reise.
Es war ein Gefühl von Weite. Von Leichtigkeit. Von Momenten, die nicht geplant sind und genau deshalb wirken.
Ein Sommer, der sich nicht in Highlights erzählen lässt – und den ich trotzdem genau so erinnern werde.