Kopenhagen an Pfingsten
Kopenhagen ist mein Happy Place. Da bin ich nicht die Einzige, ich weiß – die Stadt wird regelmäßig zum Ort mit der höchsten Lebensqualität gewählt. Aber wenn man erst einmal selbst dort war, versteht man sofort, warum. Für mich vereint Kopenhagen alles, was ich liebe: Design, Farben, das Meer, frisches Essen – und ganz wichtig: die Bäckereien sind eine Klasse für sich. Außerdem funktioniert die Stadt für mich mit meiner Familie erstaunlich gut: Die vielen Spielplätze mit gutem Kaffee um die Ecke, die tollen Museen mit Räumen, in denen Kinder alles ausprobieren dürfen. Das Schlendern durch die Straßen, die einen nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen. Kopenhagen entschleunigt – und bleibt trotzdem bei jedem Besuch neu und spannend.
Nørrebro: unsere Homebase auf Zeit
Vor drei Jahren haben wir zum ersten Mal als Familie den Sommer in Dänemark entdeckt – und sind durch einen glücklichen Zufall in Nørrebro gelandet. Eine Freundin wohnt dort und hatte uns ihr Zuhause überlassen, während sie ins Sommerhaus fuhr. Seitdem kehren wir immer wieder dorthin zurück.
Ich liebe Nørrebro mit seinen Parks, den schönen Straßen und dem Treiben in den Cafés, auf den Spielplätzen und in den Bars. Man ist nicht weit von den Seen, um mit Blick auf das Wasser ein Eis zu essen oder mit einem Schwanentretboot aktiv zu werden. Das Viertel hat eine Energie, die ich schwer beschreiben kann – lebendig und doch entspannt.
Bei unserem letzten Besuch hat meine Kusine, die eigentlich in Istanbul lebt, uns das Bæst empfohlen. Wir hatten bei der Ankunft so großen Hunger, dass wir noch vor dem Beziehen unserer Wohnung einen ersten Stopp zum Mittagessen eingelegt haben. Das Bæst betreibt direkt über dem Restaurant eine Mikro-Käserei – und weil ich weiße Pizza liebe, musste ich nicht lange überlegen: Mushroom, smoked Mozzarella und Stracciatella mit Chimichurri. Ich war sofort versunken. Das Restaurant liegt in einer verkehrsberuhigten Straße in einem Komplex, in dem auch das BRUS – bekannt für sein in Nørrebro gebrautes Bier – und die Mirabelle-Bäckerei zuhause sind. So konnten die Kinder nach dem Essen auf Erkundungstour gehen, während wir unseren Kaffee noch lange in der Sonne genossen haben.
Sauerteig oder Blätterteig?
HART Bakery in Nørrebro
Ich liebe Nørrebro nicht nur wegen seiner lässigen Straßenzüge, sondern wegen seiner Dichte an herausragenden Bäckereien: Eine davon ist Andersen & Maillard, das auf meiner Liste der Bäckereibesuche nie fehlen darf. Das Mandelcroissant dort ist schlicht unschlagbar – und ein Sauerteigbrot für zuhause geht natürlich auch immer mit. In der HART Bakery hatten wir ein unfassbar gutes Grilled-Cheese-Onion-Kale-Sandwich. Ziemlich fettig durch das Pesto und den Käse, aber ich würde es jedes Mal wieder nehmen. Und dann sind da noch die Tebirkes von HART – mit Mohn bedeckte Blätterteig-Kreationen, die mit Marzipan gefüllt sind. Ich bilde es mir vielleicht ein, aber die Tebirkes von HART erinnern mich an eine traumhafte Mischung aus Marzipan und Aprikose. Unbeschreiblich gut.
Andersen & Maillard Bakery
Reffen oder Kødbyen oder die Qual der Wahl
Nørrebro verlasse ich aber auch gerne für die vielen anderen schönen Orte der Stadt. Bei unserem diesjährigen Besuch hatten wir das Glück, dass Freunde ebenfalls in Kopenhagen waren – und ein Abend in Reffen macht zu mehreren nochmal doppelt so viel Spaß. Reffen ist ein großes Gelände für Streetfood im Norden der Stadt, direkt am Wasser. Die Auswahl fasziniert und überfordert mich gleichermaßen – das einzelne Bestellen, das Warten, der ständige Geruch von irgendwas Leckerem. Gleichzeitig liebe ich die Vielfalt und das entspannte Zusammensitzen im Sand danach. Die Kinder rennen durch den Sand, tanzen zur Musik oder schauen den Skatern zu – und alle sind satt und zufrieden.
Was mir dieses Mal besonders aufgefallen ist: Das Publikum in Reffen war diverser als an vergleichbaren Orten in Berlin. Jung und alt, mit und ohne Kinder, mit Kopftuch und ohne – alle saßen sie zusammen bei einem Getränk und einem Snack und lauschten der Musik und dem Treiben um sie herum. Das hat mich nachdenklich gemacht und uns im Freundeskreis dazu animiert, wieder mehr unterschiedliche Orte in Berlin auszuprobieren.
Ein Besuch in Kødbyen gehört für mich ebenfalls dazu. Eine besonders schöne Erfahrung ist auch jedes Mal die Kødbyens Fiskebar. Die Fiskebar liegt im ehemaligen Fleischereiviertel, quasi das Meatpacking Kopenhagens, das heute Galerien, Restaurants, Bars und dem Nachtleben neuen Raum bietet. Über den großen Parkplatz hinweg reihen sich Restaurants, Eisdielen und vereinzelt noch Großhändler. Das Restaurant kombiniert diese Mischung aus rauem Industriedesign und kreativem Schaffen wunderbar, sowohl im Interior als auch auf dem Menü. Preislich im gehobenen Bereich, vom Style-Faktor ohnehin. Wie der Name verrät, dreht sich alles um Fisch und Meeresfrüchte. Wir hatten Jakobsmuscheln in Buttermilch, Schwertfisch mit Cashews und dazu gerösteten Blumenkohl. Als Klassiker gibt es solide Fish & Chips. Man sitzt in eleganten schwarzen Designersofas entlang langer Spiegelreihen. In der Mitte thront eine durch Industriestahl geprägte Bar. Bei dem traumhaften Wetter gab es ein Lichtspiel hinter den Glasfronten inklusive.
ARKEN: klein, fein und voller Überraschungen
Bei einem Kopenhagentrip darf ein Museumsbesuch nicht fehlen, und so haben wir auf der Rückfahrt einen Vormittag im ARKEN verbracht – und ich kann nur sagen: unbedingt einplanen. Noch bevor man das Museum betritt, gibt es so viel zu entdecken. Ein Skulpturenpark mit großformatigen Arbeiten ziert den Außenbereich, und die Schaukeln sowie ein verspiegelter Käfig direkt vor dem Eingang machen das Ankommen selbst schon zum Erlebnis. Das Gebäude ist ohnehin außergewöhnlich: futuristische Architektur, die an ein gestrandetes Schiff zwischen den Dünen erinnert.
Das ARKEN zeigt eine große Bandbreite skandinavischer Künstler der Gegenwart und Moderne, mit Fotografien, Skulpturen, Installationen und Malereien und legt offensichtlich großen Wert auf die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen. Allein während unseres Besuchs fanden mehrere Workshops statt. Am meisten mitgenommen hat mich die große Ausstellung des dänischen Künstlerkollektivs SUPERFLEX: „Come Hell Or High Water" verwandelt das gesamte Museum in eine Arche für alle Spezies. Blaues Licht flutet die Säle, Sandsäcke und Barrikaden stapeln sich am Eingang – das Museum selbst wird zur Kulisse eines versunkenen Schiffes, das auf den steigenden Meeresspiegel reagiert. Transportkisten türmen sich entlang der langen Galerien, darin über 30 Jahre Arbeit von SUPERFLEX: appellative LED-Leuchtschriften, Videos und Installationen, in denen die Zeit auseinanderläuft. Ich hatte SUPERFLEX vorher nicht bewusst wahrgenommen und bin auf jeden Fall ab jetzt Fan.
Nach dem Ausflug in die futuristische Unterwasserwelt durfte ein Besuch im „Pool" nicht fehlen – ein durch Farbinstallationen begleitetes Bällebad, das die Kinder begeistert hat. Das ARKEN hat außerdem einen großartigen Museumsshop mit Büchern, Prints, Schmuck, Düften und Küchenutensilien. Und Textilien. Dort hätte ich mich noch viel länger verlieren können, aber die Fähre rief.
Kopenhagen ist für mich immer wieder eine Reise wert und ich habe jetzt schon wieder eine Liste mit Dingen, die ich beim nächsten Mal machen möchte – aber machen wir uns nichts vor. Ein Blick auf die Ausgaben allein in den Bäckereien vergegenwärtigt mir immer sehr schnell, weshalb ich darauf bis nächstes Jahr warten werde.